Das
sollten sie wissen...
Schallplattenspieler
---- Klangverlust durch elektrostatische Aufladungen
Nach über 25 Jahren Musikgenus via CD habe ich mir jetzt ein
analoges System zugelegt bestehend aus Kenwood Laufwerk KD-990 mit
Tonabnehmer SAEC C2. Als Phonoentzerrer nutze ich die integrierte
Phonostufe im Sony Vollverstärker TA-FA777ES.
Wie toll doch so ein analoges System klingt. Dynamisch, druckvoll,
präzise und fließend. Von Langweile oder Farblosen Mitten keine
Spur. Übertrieben gesagt, es ist eigentlich das, wonach ich immer
gesucht habe. Musikgenuss pur – so muss es sein. Ich denke, dass ich
von nun an sehr gut in der Lage bin nach zu vollziehen was
Schallplattenlieber an ihrem analogen System so schätzen.
Leider hielt der Musikgenus nicht lang an. Mit dem Wechsel von der
einen zur anderen Platte war plötzlich alles weg. Dynamik und
Lebendigkeit wie weggeblasen. Es klang auf einmal alles farblos und
blas. Stimmen traten in den Hintergrund und das typische
Schallplattengeknister war nur noch gedämpft zu hören. Da hatte
ich mit der CD aber mehr Hörspaß gehabt.
Für die Plötzlich auftretende Klangverschlechterung muss es einen
Grund geben.
Und der wurde dann auch sehr schnell gefunden. Ab der 4 oder 5
Platte war ich der meine, das Knistern (verursacht durch starke
Verschmutzungen) beseitigen zu müssen. Während die Schallplatte
rotierte (mit Tonabnehmer) vollzog ich eine Reinigung. Diese Art der
Reinigung hatte zur Folge, dass sich die Schallplatte
elektrostatisch extrem stark auflud, was sich erst beim
herunternehmen bemerkbar machte. Es knisterte so extrem, dass sogar
die Gummiauflage an der Schallplatte kleben blieb. Diese
Reinigungsprozedur habe ich dann sofort eingestellt, dass nütze dann
allerdings auch nichts mehr, denn dieses eine Mal war schon das
eine Mal zu viel.
Die statischen Aufladungen waren so groß, dass die Elektronik in
Mitleidenschaft gezogen wurde.
Im Plattenspieler selbst befindet sich keine Elektronik zur
Signalaufbereitung außer der Steuerelektronik. Folglich muss der
Phonoentzerrer im Verstärker gelitten haben. Eigentlich kann da
nichts defekt gehen, es sei denn, die Eingangsstufe ist mit FETs
ohne Koppelkondensatoren im Signalweg aufgebaut, was dann auch der
Fall war. Diese Transistoren benötigen keinen Steuerstrom folglich
auch keine Koppel Cs weswegen viele Herstelle J-FETs zur
Spannungsverstärkung im Eingangskreis von Phonoverstärkern
verwenden. FET Transistoren haben aber den Nachteil, dass sie
elektrostatische Ladungen/Entladungen nicht ab können, zwar gehen
sie nicht kaputt jedoch verschlechtern sich ihre Klangeigenschaften
erheblich.
Die klanglichen Auswirkungen im Audio-Bereich sollte man auf keinen
Fall unterschätzen.
Sobald die empfindlichen Eingänge der FET Transistoren durch ESD (electrostatic
discharge) beschädigt worden sind (das kann sehr schnell passieren)
tritt ein deutlich wahrnehmbarer Klangverlust auf. Die gefühlte
Dynamik geht stark zurück, die Lebendigkeit lässt nach und das ganze
Klangbild wird in den Mittellagen weicher und blasser weswegen
Stimmen dann auch dezenter wahrgenommen werden. Zudem hat man das
Gefühl, das die Höhen beschnitten klingen.
Müsste ich das Klangbild jetzt beschreiben, dann würde ich es als
angenehm warm, wenig präzise charakterisieren. Das stimm leider nur
zum Teil, die Schallplatte hat zwar einen angenehmen Klangcharakter
das Sie aber weniger druckvoll und präzise sein soll, kann ich so
nicht bestätigen, schon gar nicht nachdem die ESD-beschädigten
Transistoren erneuert wurden.
So eine Reparatur gelingt aber auch nur dann, wenn die vom
Hersteller bzw. Vertrieb gelieferten Ersatzteile auch Tip-Top sind.
Wenn solche Bauteile ohne ESD-Schutz geliefert werden, braucht man
erst gar nicht zum Lötkolben greifen. Zudem benötigt man einen
potentialarmen Arbeitsplatz, damit solche Arbeiten auch erfolgreich
durchzuführen werden können.
Nun ist es leider so, dass man elektrostatische Aufladungen nicht
ganz vermieden werden können aber man kann sie mindern und so
eventuell den sehr empfindlichen Phono-Eingang vor eine
elektrostatische Beschädigung schützen indem man folgende Tipps
beachtet: